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Qualifizierung und Validierung in der Pharmaherstellung: Von der URS bis zum validierten Prozess
Wir begleiten Sie von der URS bis zur Requalifizierung — damit Qualifizierung und Validierung nicht zur Versäumnisfalle vor der nächsten Inspektion werden.
Wolfgang Hähnel
GMP- & GDP-Compliance Consultant und FvP, MeSoTeQ Consulting AG
FĂ¼nf Schritte, ein Ziel: die Swissmedic-Bewilligung
Eine Qualifizierung ist der dokumentierte Nachweis, dass Anlagen, Geräte, AusrĂ¼stungsgegenstände, Räumlichkeiten, Medien und auch eigenständige computergestĂ¼tzte Systeme in Ăœbereinstimmung mit den an sie gestellten Anforderungen korrekt funktionieren und fĂ¼r den vorgesehenen Zweck geeignet sind. Sie besteht gemäss V-Modell aus mehreren Phasen: URS, DQ, IQ, OQ und PQ. Eine Validierung ist die BeweisfĂ¼hrung, dass Verfahren, Prozesse, AusrĂ¼stungsgegenstände, Materialien, Arbeitsgänge oder Systeme tatsächlich zu den erwarteten Ergebnissen fĂ¼hren. Grundlage ist Annex 15 in Kombination mit Annex 11 des EU-GMP-Leitfadens fĂ¼r computergestĂ¼tzte Systeme.
Bewertet, Ă¼berwacht und koordiniert werden diese Aktivitäten Ă¼ber ein Qualitätsrisikomanagement und einen Validierungsmasterplan. Wer Arzneimittel und Wirkstoffe herstellt, muss kritische Aspekte seiner Arbeitsabläufe Ă¼ber den gesamten Lebenszyklus von Produkt und Prozess kontrollieren. Qualifizierung und Validierung liefern dafĂ¼r den dokumentierten Nachweis.
Welche Regelwerke gelten: Annex 15 und Swissmedic
Annex 15 «Qualifizierung und Validierung» des EU-GMP-Leitfadens gilt seit dem 1. Oktober 2015. In der Schweiz gelten nach dem Heilmittelgesetz und der Arzneimittel-Bewilligungsverordnung der EU-GMP- und der PIC/S-GMP-Leitfaden als internationale Regeln der guten Herstellungspraxis. Aktuell in Bewegung: PIC/S hat im Juli 2026 die Ă¼berarbeiteten Empfehlungen zur Qualifizierung und Validierung (PI 006-4) veröffentlicht. Sie treten am 1. Oktober 2026 in Kraft und ersetzen PI 006-3. Zudem läuft eine gezielte Ăœberarbeitung von Annex 15, der laut Konzeptpapier kĂ¼nftig auch fĂ¼r Wirkstoffhersteller gelten soll. Ein Entwurf ist fĂ¼r Dezember 2026 geplant, die Veröffentlichung fĂ¼r April 2028. Im Grossen und Ganzen werden damit Anforderungen, die seit Ă¼ber zehn Jahren in Annex 15 stehen, auch in das Ă¼bergeordnete Dokument zur Validierungsmasterplanung, PI 006-4, Ă¼bernommen und nochmals konkretisiert. Die meisten Wirkstoffhersteller haben sich ohnehin schon an den Vorgaben aus Annex 15 orientiert. Grundlegend Neues ist deshalb kaum zu erwarten, wohl aber weitere Konkretisierungen im Detail.
Vorbereitung: URS, Risikoanalyse und Validierungsmasterplan
Am Anfang steht die URS (User Requirement Specification). Sie legt fest, was eine technische AusrĂ¼stung, Anlage oder auch einzelne Geräte leisten sollen, beschreibt die technischen Anforderungen daran und bleibt Ă¼ber den gesamten Qualifizierungszyklus Bezugs- und Ausgangspunkt. Eine parallel laufende Risikoanalyse bestimmt den Umfang: welche Anforderungen qualitätsrelevant sind und in IQ, OQ oder PQ Ă¼berprĂ¼ft werden mĂ¼ssen, und gibt die PrĂ¼ftiefe der Qualifizierung vor, denn Annex 15 verlangt dafĂ¼r eine begrĂ¼ndete, dokumentierte Risikobewertung. FĂ¼r eine neue AusrĂ¼stung wird normalerweise als Ausgangspunkt ein Change-Control-Antrag erstellt, der auch die Aufnahme in den Validierungsmasterplan (VMP) vorsieht. Der VMP beschreibt Verantwortlichkeiten, eine Ăœbersicht der Anlagen und Prozesse samt Status, die Ă„nderungskontrolle sowie die Strategie zu Requalifizierung und kontinuierlicher Verifizierung, die die frĂ¼here Revalidierung abgelöst hat. Bei der URS scheitert der Prozess in der Praxis häufig an interner Kommunikation und Projektmanagement innerhalb der Beschaffung: Eine neue AusrĂ¼stung wird bestellt oder auf Basis bestehender Anlagen in Angriff genommen, und die Qualifizierung wird erst spät einbezogen, wenn schon vieles geklärt ist. Beim VMP liegt der Fall anders. Im Kern ist er nichts anderes als ein Projektmanagementplan fĂ¼r das «Projekt» Qualifizierung und Validierung, mit dem Vorgehen beschrieben in SOPs. Genau das ist in der Praxis aber nicht immer der Fall.
Qualifizierung von Anlagen: DQ, IQ, OQ und PQ erklärt
Die Qualifizierung folgt festen Stufen. Jede Stufe hat ein Protokoll mit Akzeptanzkriterien, und vor dem nächsten Schritt erfolgt eine formale Freigabe. Designqualifizierung (DQ) Dokumentierter Nachweis, dass alle im Lastenheft enthaltenen qualitätsrelevanten Anforderungen beim Design der Anlage, einschliesslich Gebäude, Räumlichkeiten und Hilfseinrichtungen, angemessen berĂ¼cksichtigt wurden. Installationsqualifizierung (IQ) Dokumentierter Nachweis, dass AusrĂ¼stungsgegenstände und Systeme entsprechend den gestellten Anforderungen und gesetzlichen Sicherheitsvorschriften geliefert und installiert wurden. Dazu gehören die Kalibrierung der Instrumente, die Verifizierung der Konstruktionsmaterialien sowie die ĂœberprĂ¼fung der technischen und betrieblichen Dokumentation. Funktionsqualifizierung (OQ) Dokumentierter Nachweis, dass AusrĂ¼stungsgegenstände und Systeme im gesamten Arbeitsbereich unter Einhaltung vorgegebener Grenzen wie beabsichtigt funktionieren. IQ und OQ können kombiniert werden. Leistungsqualifizierung (PQ) Dokumentierter Nachweis, dass AusrĂ¼stungsgegenstände und Systeme unter aktuellen Arbeitsbedingungen, mit Produkt, die geforderten Leistungen erbringen. Die PQ kann unter Umständen direkt als Prozessvalidierung angesehen werden. Sie zeigt mit Produktionsmaterial, Ersatzmaterialien oder simulierten Produkten, dass die Anlage unter normalen Betriebsbedingungen bei Worst-Case-Chargengrössen effektiv und reproduzierbar arbeitet. Die Qualifizierung von AusrĂ¼stungen oder Räumlichkeiten hat sehr viel mit Know-how zu tun, sowohl beim herstellenden Unternehmen als auch beim Lieferanten der AusrĂ¼stung. Funktionieren Kompetenz, Kommunikation sowie Projekt- und Terminmanagement nicht zusammen, hat das meist die grössten Auswirkungen, weniger die Technik oder das methodische Vorgehen selbst, ausser bei einer echten Neukonzeption der Technologie.
Validierung von Verfahren: Prozess, Reinigung, Methoden und Software
Prozessvalidierung Prozessvalidierung ist das Sammeln und Bewerten von Daten von der Designphase bis zur Produktion, die den wissenschaftlichen Beweis erbringen, dass ein Prozess fähig ist, beständig Qualitätsprodukte zu erzeugen. Es gibt verschiedene Ansätze, diese Prozessvalidierung umzusetzen. Die retrospektive Validierung wird nicht mehr akzeptiert. Reinigungsvalidierung Sie belegt die Wirksamkeit der Reinigung fĂ¼r alle produktberĂ¼hrenden Oberflächen der AusrĂ¼stungsgegenstände. RĂ¼ckstandsgrenzwerte beruhen auf einer toxikologischen Bewertung sowie einer möglichen Kreuzkontamination zwischen aufeinanderfolgenden Produkten. Eine visuelle PrĂ¼fung allein genĂ¼gt in der Regel nicht. Analytische Methoden Analysen- und PrĂ¼fmethoden, ob fĂ¼r Einsatzmaterialien oder Endprodukte, mĂ¼ssen gemäss ICH Q2 Ă¼berprĂ¼ft und nach standardisierter Vorgehensweise validiert werden, ebenso die dazugehörigen Analysegeräte qualifiziert. ComputergestĂ¼tzte Systeme Die Validierung computergestĂ¼tzter Systeme (CSV) erbringt den dokumentierten Nachweis, dass ein IT-/CS-System, ob in technischen AusrĂ¼stungen, Analysegeräten, der IT-Infrastruktur, eigenständigen Softwareanwendungen oder in Kombination, korrekt beschafft, geplant, programmiert und installiert wurde, wie vorgesehen funktioniert und die erforderliche Leistung erbringt (DQ bis PQ). In vielen Betrieben ist Prozess- und Reinigungsvalidierung weniger inhaltlich als zeitlich unterschätzt. Beides lässt sich nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen sauber durchfĂ¼hren, wenn die Grundlagen fehlen: ein gut entwickelter Herstellprozess fĂ¼r die Prozessvalidierung, ein korrekt und ausreichend in SOPs beschriebenes Reinigungsverfahren fĂ¼r eine reproduzierbare Reinigungsvalidierung. Genau das ist nicht immer gegeben.
Nach der Qualifizierung: Requalifizierung, Ă„nderungen, laufende Ăœberwachung
AusrĂ¼stung, Einrichtungen und Systeme mĂ¼ssen mit ausreichender Häufigkeit bewertet werden, damit sie in einem kontrollierten Zustand bleiben, die Requalifizierungsintervalle sind zu begrĂ¼nden. Ă„nderungen, die die Produktqualität beeinflussen können, laufen Ă¼ber die Ă„nderungskontrolle, die Auswirkungen auf den Validierungsstatus bewertet. Prozesse begleitet die fortlaufende Prozessverifizierung Ă¼ber den ganzen Produktlebenszyklus. Requalifizierungsintervalle legen Betriebe meist anhand der Kritikalität beziehungsweise Komplexität der AusrĂ¼stung fest, oder Ă¼ber ein Impact Assessment, das den Einfluss einer AusrĂ¼stung auf die Produktqualität bewertet, sofern die Intervalle nicht ohnehin regulatorisch vorgegeben sind, etwa bei Reinräumen oder Sterilisatoren.
Aus der Praxis: MeSoTeQ hat fĂ¼r Hersteller bereits das Konzept fĂ¼r Qualifizierung, Validierung und CSV optimiert, die Qualifizierung verbessert und Validierungen durchgefĂ¼hrt.
Häufige Fehler bei Inspektionen und Audits
Bei Inspektionen lohnt der Blick auf vier Anforderungen aus Annex 15, die jeder Betrieb belegen können sollte: - Umfang und Tiefe sind risikobasiert zu begrĂ¼nden und zu dokumentieren, es muss aber nicht immer gleich eine umfangreiche FMEA sein. - Ergebnisse ausserhalb der Akzeptanzkriterien sind als Abweichung erfasst und nachbearbeitet. - Reinigungsgrenzwerte stĂ¼tzen sich auf eine toxikologische Bewertung. - Die Auswirkung von Ă„nderungen auf den Validierungsstatus wird bewertet. In der Praxis kommt es von Fall zu Fall darauf an, wie ein Betrieb mit diesen Anforderungen umgeht, und das hat viel mit dem Verständnis und der Kompetenz der verantwortlichen Personen zu tun. Die Anforderungen selbst bestehen schon seit Jahrzehnten, werden in ihrem Umfang und Aufwand aber immer wieder unterschätzt. Betriebe geraten dadurch in eine Art Versäumnisfalle: Sie rennen den Projekten hinterher und können Qualifizierungs- und Validierungsaktivitäten teilweise nicht mehr zeitgerecht umsetzen und abschliessen.
Häufige Fragen zu Qualifizierung und Validierung
Was ist der Unterschied zwischen Qualifizierung und Validierung?
Qualifizierung betrifft technische Einrichtungen, AusrĂ¼stung, Betriebsmittel, Räumlichkeiten und Mediensysteme, also die Hardware und Technologie eines Herstellungsbetriebs. Validierung betrifft alle Prozesse und Verfahren, die auf diesen AusrĂ¼stungen laufen.
Was bedeuten DQ, IQ, OQ und PQ?
Design-, Installations-, Funktions- und Leistungsqualifizierung. Sie belegen in einer logischen Vorgehensweise gemäss dem V-Modell nacheinander, dass Design und Installation stimmen, das System innerhalb der Betriebsbereiche funktioniert und effektiv sowie reproduzierbar die Leistung mit dem Produkt erbringt.
Wie viele Chargen braucht eine Prozessvalidierung?
Die oft genannte Zahl drei war nie offiziell festgelegt und gilt auch kĂ¼nftig nicht als feste Vorgabe. Die Anzahl ist risikobasiert anhand der Komplexität und Erfahrung mit dem Prozess festzulegen und zu begrĂ¼nden.
Gilt Annex 15 auch fĂ¼r Wirkstoffhersteller?
Bisher nur als optionale Zusatzleitlinie. Laut Konzeptpapier von EMA und PIC/S soll er kĂ¼nftig auch fĂ¼r Wirkstoffhersteller gelten.
Wie lässt sich Qualifizierung und Validierung kosteneffizient und pragmatisch umsetzen?
Qualifizierungs- und Validierungsaktivitäten kosten Zeit und Aufwand, doch lässt sich dieser mit gezielten Massnahmen reduzieren, etwa einem gemeinsamen Dokument fĂ¼r DQ, IQ und OQ bei Standardanlagen oder einfacheren Risikobetrachtungen. Entscheidend bleiben Kompetenz und Verständnis der verantwortlichen Personen.
Fazit: Qualifizierung und Validierung als System
Qualifizierung und Validierung gelingen, wenn URS, Risikoanalyse, VMP, Qualifizierung und laufende Ăœberwachung ineinandergreifen.
MeSoTeQ begleitet Sie von der URS bis zur Requalifizierung, auf Wunsch mit DurchfĂ¼hrung und Berichterstellung, und achtet darauf, dass Ihr Team das Know-how selbst aufbaut.
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